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Schwierige Zeiten für das Handwerk: Die Frühjahrskonjunktur 2025 zeigt sinkende Umsätze, schwindende Auftragsbestände und eine gesunkene Investitionsbereitschaft in Nord- und Mittelthüringen. Dennoch bleiben die Beschäftigungszahlen stabil.

Die Herausforderungen bleiben - Ergebnisse der Frühjahrskonjunktur präsentiert

03. April 2025

Die Auftragspolster schrumpfen, die Umsätze fallen geringer aus und die Bereitschaft für Investitionen ist noch einmal deutlich gesunken: Das Handwerk in Nord- und Mittelthüringen ist nach wie vor mit großen Herausforderungen konfrontiert. Das belegen die jüngsten Ergebnisse der Frühjahrskonjunktur 2025, die vor Kurzem vorgestellt wurden. „Zwei Jahre Rezession sind deutlich spürbar und die negative Konjunkturentwicklung hält an. Damit tritt das Handwerk auf der Stelle und kann sich noch nicht aus dem Tief der vergangenen Jahre befreien“, sagte der Präsident der Handwerkskammer Erfurt, Stefan Lobenstein, der die Zahlen gemeinsam mit Hauptgeschäftsführer Thomas Malcherek präsentierte und interpretierte.

Gebremste Entwicklung

Mit einem Wert von 75 Prozent liegt die aktuelle Geschäftslage auf einem Allzeittief. So wird die Lage über alle Gewerbegruppen hingegen negativer als noch im Frühjahr 2024 eingeschätzt. „Es ist eine Abwärtsspirale zu erkennen: Handwerksbetriebe, die im Alltag zu kämpfen haben und unsicher in die Zukunft blicken, investieren nicht. Damit können sie nur schwer auf Herausforderungen wie den Fachkräftemangel oder den technologischen Wandel reagieren und geraten noch mehr ins Hintertreffen“, erklärte Stefan Lobenstein. Um die Entwicklung zu stoppen, seien positive Impulse notwendig, die die Konjunktur im Handwerk ankurbeln könnten.

Mit Ausnahme des Kfz-Gewerbes, das ein Umsatzplus von 11 Prozent auf 37,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet, berichten alle Gewerke von Umsatzverlusten. Am stärksten betroffen sind das Nahrungsmittelgewerbe (60 Prozent) und das Bauhauptgewerbe (47,2 Prozent). Zudem berichten fast alle Gewerke von Auftragsrückgängen und einer gesunkenen Betriebsauslastung. Besonders deutlich wird das im Bauhauptgewerbe: Während im Vergleichszeitraum 2024 noch 37 Prozent der Befragten über eine hundertprozentige oder höhere Auslastung berichteten, sind es im Frühjahr 2025 nur noch 29,7 Prozent der Befragten. Damit sinkt die durchschnittliche Wochenauslastung noch einmal um zwei Wochen auf 9,6 Wochen.

Stabile Beschäftigungszahlen

Als positiv sind die Beschäftigtenzahlen im Handwerk zu bewerten. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten neigen die Betriebe nicht zu Entlassungen, die Beschäftigung bleibt relativ stabil. „Damit ist das Handwerk ein Arbeitsplatzgarant“, so der HWK-Präsident.

Hoffnung gibt auch der Blick in die nahe Zukunft. Zwei Drittel der Befragten erwarten im zweiten Quartal des Jahres 2025 eine gute bis befriedigende Geschäftslage. Dies stellt eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr dar. „Die Betriebe knüpfen hohe Erwartungen an die neuen Regierungen in Land und Bund. Die Wirtschaftspolitik muss nun oberste Priorität haben, um bremsende Faktoren wie hohe Zinsen und schwache Konsumnachfrage zu lösen und gute, verlässliche Rahmenbedingungen für den Mittelstand zu schaffen“, sagte Stefan Lobenstein.